Technik


Der Zuk ist ein polnischer Lieferwagen / Kleintransporter. Er war das universale, flexible und unverzichtbare Transportmittel der Volksrepublik. Der Żuk (auf Deutsch: Käfer) wurde in zahlreichen Varianten und Aufbauten vom Hersteller FSC Lublin angeboten.

Viele Autos dieser Zeit sind heute als Oldtimer beliebt – der Żuk berechtigterweise nicht. Die Fertigung in der Volksrepublik Polen war qualitativ minderwertig und der Stahl sehr rostanfällig, so dass der Wagen schnell und völlig zu Recht einen schlechten Ruf erhielt. Ich habe das Modell und meinen 1988 gebauten Zuk namens Stanislaw aber dennoch in mein Herz geschlossen 😉

Der Żuk wurde vom 24. Juni 1959 bis zum 13. Februar 1998 nahezu unverändert gebaut und erfuhr in dieser Zeit nur eine augenscheinliche Änderung: die Modernisierung (Facelift) der Frontpartie vom “Smutek” mit rundlicher Front und akzentiertem Kühlergrill zur modernen Form mit der klaren Frontlinie im Jahr 1973. Die Motorisierung wurde damals ebenfall angepasst.

Żuk A-03 "Smutek"

Żuk A-03 „Smutek“

Żuk A-07 "Blaszak"

Żuk A-07 „Blaszak“

Das Modell schloss eine durch die zunehmende Motorisierung entstandene Lücke im Kraftverkehr: ein leichter und wendiger Lieferwagen mit großer Zuladung von bis zu 1050kg für den Lastverkehr in Städten.

Die Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa 100 km/h, die Reisegeschwindigkeit eher gute 75 km/h. Anfangs brachte ein Drei-Gang-Getriebe die Motorkraft an die angetriebenen Hinterräder, später wurde ein Vier-Gang-Getriebe verbaut und half bei der Verbrauchssenkung.

Der Leiterrahmen (Eigengewicht von 130 kg) bildet die Basis dieses Autos. Die starre Hinterachse besitzt eine Blattfederung. Das Fahrerhaus ist immer gleich aufgebaut: wesentliche Unterschiede gibt es bei dem hinteren Aufbau. Der Fußboden hinten besteht beim Kastenwagen und Bus aus Holz.

Die letzten Fahrzeuge haben die Reifendimensionen 6.50 R16 sowie Trommelbremsen vorn und hinten. Der Tankinhalt beträgt 55 Liter. Seit Anfang der Neunziger Jahre gibt es Halogen-Scheinwerfer (H4), ältere Fahrzeuge haben Scheinwerfer des Typs 0252 verbaut. Die hintere Beleuchtung unterscheidet sich je nach Aufbau: der Kastenwagen „furgon“ bzw. „blaszak“ besitzt runde Rückleuchten, die Pickup-Variante „skrzynia“ rechteckige Leuchten.


Ein Fahrzeug, viele Varianten

Der Żuk wurde als Lastkraftwagen, zur Personenbeförderung und als Einsatzwagen von Feuerwehr, Polizei und Miliz eingesetzt. Unzählige Aufbauvarianten belegen die Vielfältigkeit des Fahrzeugs. Innerhalb der Typen gab es ferner Unterscheidungen zwischen Ausstattungsvarianten und Motorisierung, die mit nachgestellten Buchstaben benannte wurden (B, C, D, F, G, H und I: diese Kennung steht bei der Typnummer unter der Motorhaube und am Typenschild am Fahrersitz). Die ägyptische ELTRAMCO baute dieses polnische Modell ab 1970 mit leichten Abwandlungen als Kleinbus Ramses 12.

 

Die am häufigsten hergestellten Varianten waren:

 

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  • A-03 ab 1958 (mit den Maßen L4310xB1765xH2140 mm) bzw. ab 1967/73 der Nachfolger A-09 (mit Motor M20) und dessen Nachfolger A-11 (mit Motor S21): ein Pritschenwagen mit Holzaufbau und einer seinerzeit beachtlichen Zuladung von 800kg (A-03) bzw. 950kg (A-11). Er wurde gerne in Landwirtschaft und von Kleinbetrieben genutzt. Später gab es teilweise sogar Aluminiumaufbauten der Ladefläche. Der A-11 wurde auch exportiert.
    Żuk A-03

    Żuk A-03

    Żuk A-11

    Żuk A-11

  • A-05 als „blaszak“ genannter geschlossener Lieferwagen (also ohne Fenster hinten) und mit nur zwei Sitzplätzen vorne. Die Zuladung betrug 850kg und die Produktion begann 1965. Dieser Typ wurde auch exportiert.
  • A-07 als flexibel nutzbares Kombifahrzeug für Lastentransport (bei hochgeklappten seitlichen Sitzbänken, je nach Zulassung bis max. 950kg) oder für die Personenbeförderung (je nach Zulassung zwischen 5-7 Personen bei Sitzbänken in Fahrrichtung oder 7-9 Personen mit hochklappbaren Sitzbänken quer zur Fahrrichtung und gleichzeitiger Zuladung von 350kg). Maße des im Jahr 1970 eingeführeten Typs: L4400xB1875xH2220 mm.
    Żuk A-07

    Żuk A-07

    Der A-071 wurde als eine besser ausgestattete „LUX“-Version mit u.a. Dachhimmel vertrieben, während der A-072 einen Dachgepäckträger und ein abgetrenntes Gepäckteil hat. Dieser Typ wurde ebenfalls exportiert. Der A-073 wurde als Rettungs- und Einsatzfahrzeug (teilweise mit Dachgepäckträger) für die Sicherheitsbehörden ausgeliefert.

    Laderaum mit klappbaren Sitzbänken beim A-07

    Laderaum mit klappbaren Sitzbänken für 9 Personen (und kaputtem Holzboden) beim A-07

  • A-16 wurde als Doppelkabiner im Jahr 1977 eingeführt und konnte trotz zusätzlicher 3 Sitzplätze hinter dem eigentlichen Fahrerhaus auf der offenen Ladefläche noch bis zu 350kg zuladen.

 

Spezieller und daher seltener waren diese Varianten:

  • A-06 als Sonderform des A-07: für 5-7 Personen zugelassen und mit einem separiertem, baulich abgetrennten Gepäckabteil hinten. Häufig benutzt von der polnischen Armee, aber auch von verbündeten Mächten wie der NVA. Der A-061 wurde mit Dachgepäckträger geliefert, während der A-062 als Geldtransporter mit zusätzlicher Dachluke, Spiegeln und Fenstern geliefert wurde. Ähnlich der A-063.
  • A-03 PTHW Pieczywo mit Motor M20 (1964) bzw. Modell A-08 PTHW Pieczywo mit Motor S21 als Sonderform des Kofferaufbaus für den Transport von Backwaren. Ähnlich der A-03 PTHW Odzież für den Transport von Kleidung (ab 1965).
  • A-14 Feuerwehrfahrzeug für den Export ab 1966, geeignet zum Materialtransport (Schläuche und Pumpen)
  • A-15 Feuerwehrfahrzeug ab 1968 für den inländischen Gebrauch und dessen Sonderform A-151 mit einer vorne montierten Motorpumpe und großem Wassertank innen. Der A-1507 war ein abgewandelter A-07 und wurde als Mannschaftstransporter für die Feuerwehr eingesetzt.

    ZUK A-15

    ZUK A-15

  • Zuk A-1507 Feuerwehr

    Zuk A-1507

  • A-17 als Kofferfahrzeug, also mit eigenständigen Aufbau ohne Fenster (A-171, 172, 173) bzw. mit Fenster (A-1704 und A-1705) oder mit einer zusätzlichen seitlichen Tür (A-174). Der A-176 mit der Bezeichnung „frigo“ besitzt einen Kühlkoffer.
  • A-18 namens „mikrobus“ ist ein 1972 eingeführter zehnsitziger Kleinbus als Sonderform des A-07, mit einer zusätzlichen Fenster- und Sitzreihe und daraus resultierend geringerem Kofferraumvolumen. Ein Krankentransportwagen für sitzenden und liegenden Transport von Patienten wurde auf dessen Basis unter der Bezeichnung A-1805 hergestellt.

Die Varianten A-03 und A-09 als frühe „smutek“ wurden nur bis längstens zum Facelift 1973 produziert. Die frühen Varianten mit dem Motor M20 hatten ein Drei-Gang-Getriebe, die Motorisierung mit S21 (anfangs noch mit 3 Gängen) und 4C90 kamen mit einem Vier-Gang-Getriebe. Der Motortyp CB erhielt teilweise sogar das moderne Fünf-Gang-Getriebe vom Polonez. Die Motoren M20 und S21 lassen sich mit einer vorne in die Stoßstange eingesteckter Kurbel starten.

Eine Weiterentwicklung aus der Baureihe war der 1995 vorgestellte Schienenbus (als Straßenbahnersatz) Mitor für 14 Passagiere, der jedoch nie in Serie ging. Die Firma FS Lublin stellte ferner Anhänger her, die unter der Bezeichung D-25 vertrieben wurden: Viele Żuks besaßen eine Anhängerkupplung.

Die jeweilige Typenbezeichung befindet sich codiert unter der Fronthaube links über dem Scheinwerfer: die ersten beiden Ziffern geben den Typ an, die Buchstaben kennzeichnen die Motorvariante. BLAU_TypenbezeichnungTypenschildDas eigentliche Typenschild befindet sich seitlich unten am Fahrersitz und enthält Angaben zur Zuladung und das Baujahr.

 

 

 


Motoren

Im FSC Żuk und vielen anderen Fahrzeugen aus der Volksrepublik Polen (PRL) kamen diese vier Motoren zum Einsatz:

  • M20, ein 2,1-Liter-Benziner, der ursprünglich auf einer Lizenz von Ford an die Sowjetunion aus dem Jahre 1935 beruht. Dieser Vierzylinder mit 50 PS (37kW) wurde bis in die 70er Jahre in vielen polnischen Autos eingebaut. (Variante C)

    Motor M20

    Motor M20

  • S-21, ein 2,1-Liter-Benziner der gleichwohl auf dem M20 beruht und aus diesem ab 1962 weiterentwickelt und ab 1966 in Serie verwendet wurde. Dieser Motor mit 52 PS wurde bis zum April 1993 produziert und fand Verwendung in vielen polnischen Kraftfahrzeugen, nicht nur im Żuk.
    Vergaser im Motor S21

    Vergaser am Motor S21

    Er benötigt eine Batterie mit mindestens 60 Ah und 12 V und Zündkerzen Typ F75 mit M14-Gewinde. (Varianten B und H)

    Motor S21

    Motor S21

  • 4C90, ein Dieselmotor aus dem Motorenwerk Andoria in Andrychów mit 70 PS und 2417 Kubikzentimeter. Er wurde in den 60er Jahren entwickelt und erlangte in den 70er Jahren Serienreife. Er war beliebt aufgrund seiner Sparsamkeit und Langlebigkeit. Mit moderner Abgasrückführung kann diese Motor heute u.U. auf die Abgasnorm EURO-3 gebracht werden. Der 4C90 benötigt eine Batterie mit mindestens 45 Ah und 12 V. (Varianten D und I)

    Motor 4C90

    Motor 4C90

  • CB (PN 1600), ein Motor mit 64 PS und 1598 Kubikzentimeter Hubraum aus dem PKW Polonez. Er wurde verbaut seit dem 01.07.1992 und dann mit einem Fünf-Gang-Getriebe kombiniert. (Varianten F und G)

Problemzonen

Die größte Schwierigkeit beim Autokauf ist der oft mangelhafte Fahrzeug-Zustand. Die Bleche sind unverzinkt und es gibt einige konstruktionsbedingte Gammelstellen.

Weggerostete Verbindung zwischen Karosserie und Rahmen

Weggerostete Verbindung zwischen Karosserie und Rahmen

Rost an Blechfalz

Rost an Blechfalz

Schwachstellen sind, neben der Korrosion, normalerweise: die Vorderradaufhängung, das Bremssystem (besonders die Bremszylinder), die angetriebene Hinterachse („tylne most“, spätere Baureihen waren allerdings besser gebaut und setzten sich nicht so leicht fest), gelegentlich auch die Kraftstoffpumpe (leicht austauschbar) und altersbedingt poröse Benzinleitungen. Die Lenkung wird mit Pressfett geschmiert: wenn sie immer gut gepflegt wurde, dann ist sie trotz komplizierter Bauweise eher unproblematisch.

Unter der Fußmatte durchgerostet

Unter der Fußmatte durchgerostet

Grundsätzlich hat der FSC Żuk nur vorne Sicherheitsgurte (Drei-Punkt-Gurt). Gurte hintenBLAU_Gurtschloss können kaum nachgerüstet werden, dazu sollte man vorab mit einem deutschen Prüfingenieur (z.B. TÜV/Dekra) sprechen. Spätere Ausführungen mit Sitzbänken in Fahrtrichtung hinten besassen teilweise doch Gurte. Interessante Ausnahme: Kombifahrzeuge für Last- und Personentransport mit einer Erstzulassung vor 1992 sind von einer Gurtpflicht hinten ausgenommen (Auskunft der Dekra Berlin 2015).


Zulassung

Eine Zulassung in Polen ist einfach: Natürlich nur mit einem Kaufvertrag und den vollständigen Papieren (es gibt nicht immer einen Fahrzeugbrief neben dem Fahrzeugschein). Man muß bei der Zulassungsstelle (jeweils der zuständige Kreis „powiat“, wo man seinen Wohnsitz hat) den Bericht des Prüfingenieur vom TÜV etc. („przegląd“) vorlegen. Die Haftpflicht-Versicherungspolice (OC) ist in Polen fahrzeuggebunden und wird i.d.R. mit dem Fahrzeug verkauft.
Zuk zu verkaufen

Die Zulassung in Deutschland ist ähnlich: Kaufen per Kaufvertrag (Tipp: beim Kauf in Polen eine zweisprachige Version nehmen). Die Zulassungstelle liegt jeweils beim Landkreis/Bezirk, wo man seinen Wohnsitz hat. Eine Haftpflicht-Versicherung ist Pflicht, eine Kaskoversicherung angesichts des tatsächlichen Wertes oft unnötig. Teilweise gibt es für die notwendige Haftpflicht Oldtimer- oder Youngtimerversicherungen, die günstiger sind als für normale Alltagswagen, alternativ kann eine Wohnmobil- oder LKW-Versicherung in Frage kommen. In Deutschland gibt es fahrzeuggebundene Kfz-Steuern, deren Höhe sich an der Abgasnorm orientiert. Der Onlinerechner des Bundesfinanzministeriums gibt einen schnellen Überblick auf die fälligen Steuerbeträge.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt Schlüsselnummern für den Żuk, denn in der DDR fuhren auch nach der Wende noch einige der in den Siebzigern und Achtzigern eingeführten Wagen. Sogar das Magazin KFT berichtete über das FSC-Modell. Folgende Ausführungen mit jeweils 2500 kg zulässiger Gesamtmasse und dem Benzinmotor S21 mit 2120cm2 Hubraum sind erfasst:

  • als Personenwagen den A-07 unter Herstellernummer 9208 und Typnummer (TSN) 002, eingetragen am 01.04.1976, mit maximal 7 Sitzplätzen
  • als Lastfahrzeug den A-06 B unter Herstellernummer 9208 und Typnummer (TSN) 001, eingetragen am 01.12.1974, mit maximal 2 Sitzplätzen
  • als Lastfahrzeug den A-11 B unter Herstellernummer 9208 und Typnummer (TSN) 003, eingetragen am 01.06.1976, mit 2 Sitzplätzen
  • als Lastfahrzeug die Reihe A-06/07/11B-KO unter Herstellernummer 9208 und Typnummer (TSN) 004, eingetragen am 01.04.1983, mit ebenfalls 2 Sitzplätzen

Am Stichtag 1. Januar 2015 sind nur drei Żuks in Deutschland zugelassen: ein A-06 (TSN 001) und zwei vom Typ A-11 (TSN 003) (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Flensburg, 2015).

Historisch interessant ist bestimmt die Berichterstattung des KFT Magazins aus der DDR zum Fahrzeug.


Oldtimer-Zulassung

Żuks können als Oldtimer (erkennbar in Deutschland am Kennzeichen mit dem nachgestellten H bzw. am roten 07-er Kennzeichen oder in Polen am gelben Kennzeichen mit einem Oldtimersymbol rechts) zugelassen werden. Das gilt jedoch nur für Fahrzeuge mit einer Erstzulassung vor mindestens 30 Jahren (nicht Baujahr!). Ein weitgehend originalgetreue Zustand und ordentliche bauliche Substanz (gut bzw. zeitgemäß, aber eben keine Schrottlaube) muß durch einen anerkannten Gutachter bestätigt werden. Erst dann kann in Deutschland die günstige Pauschalversteuerung i.H.v. 191,73 Euro/Jahr für „die Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes“ in Anspruch genommen werden.

Ein wichtiger Vorteil der Oldtimer-Zulassung ist: Das Fahrzeug benötigt keine Feinstaubplakette zur Einfahrt in die Umweltzonen deutscher Städte und ist von der Pflicht zur Abgasuntersuchung befreit. Aber Achtung: In Polen anerkannte und zugelassene Oldtimer dürfen Polen nicht ohne besondere Erlaubnis der Zulassungsstelle verlassen.